Ich dachte immer LOB stärkt mein Kind… bis ich DAS verstanden habe
„Super gemacht!“
„Wow, ich bin so stolz auf dich!“
„Du bist die Beste!“
Kommt dir das bekannt vor?
Ich habe meine Kinder früher ständig gelobt. Aus Liebe, aus Stolz, weil ich wollte, dass sie sich gut fühlen und wissen, wie sehr ich sie sehe.
Doch vor einiger Zeit hat mich ein Gedanke nicht mehr losgelassen:
Was passiert eigentlich, wenn ein Kind seinen Wert irgendwann nur noch daran misst, wie oft es gelobt wird?
Diese Frage hat meine Sicht auf das Thema komplett verändert.
Denn ich wünsche mir für meine Kinder nicht, dass sie nur dann an sich glauben, wenn jemand von außen sagt: „Das hast du toll gemacht.“
Ich wünsche mir, dass sie ihren Wert auch dann kennen, wenn etwas schiefläuft, wenn sie scheitern, wenn sie Fehler machen und wenn sie nicht die BESTEN sind.
Denn genau dann brauchen sie ihr SELBSTVERTRAUEN am meisten, oder?




Ist Lob denn jetzt schlecht?
Ganz klar: Nein.
Kinder brauchen Ermutigung, sie brauchen Wertschätzung und auch das Gefühl
„Ich werde gesehen.“
„Meine Mama freut sich mit mir.“
Das Problem ist also nicht das Lob selbst, es geht vielmehr darum, wie wir loben.
In der Entwicklungspsychologie wird häufig zwischen personenbezogenem Lob und prozessbezogenem Lob unterschieden.
Personenbezogenes Lob
Hier bewerten wir das Kind selbst.
• „Du bist so schlau.“
• „Du bist die Beste.“
• „Du bist ein Genie.“
• „Du bist ein richtiger Künstler.“
Das klingt liebevoll, doch manche Kinder entwickeln daraus unbewusste Gedanken wie…
„Ich muss immer schlau sein.“
„Ich darf keine Fehler machen.“
„Wenn ich etwas nicht schaffe, bin ich vielleicht doch nicht gut genug.“
Vor allem Kinder, die ohnehin sehr leistungsorientiert oder sensibel sind, können dadurch Druck entwickeln.
Prozessbezogenes Lob
Hier geht es nicht um das Kind als Person, sondern um seinen Weg.
• „Ich habe gesehen, wie viel Mühe du dir gegeben hast.“
• „Du bist drangeblieben, obwohl es schwierig war.“
• „Du hast verschiedene Lösungen ausprobiert.“
• „Du hast nicht aufgegeben.“
Dadurch lernt ein Kind:
❤️ Mein Wert hängt nicht von meiner Leistung ab.
❤️ Ich darf Fehler machen.
❤️ Ich kann wachsen.
Und genau das stärkt langfristig sein Selbstvertrauen.
Was Kinder wirklich brauchen?
Ich glaube, Kinder brauchen vor allem eins:
Das Gefühl, gesehen zu werden, nicht nur dann, wenn sie etwas gut gemacht haben. Sondern auch dann, wenn sie traurig und wütend sind, wenn sie scheitern oder wenn sie einfach nur sie selbst sind.
Denn Liebe sollte niemals an Leistung geknüpft sein.
Seit ich mich mit diesem Thema beschäftige, versuche ich bewusster zu sprechen, nicht perfekt, aber viel bewusster. Hier habe ich ein paar Beispiele, die bei uns im Alltag einen großen Unterschied machen.
❌ „Super gemacht!“
❤️ „Ich habe gesehen, wie viel Mühe du dir gegeben hast.“
⸻
❌ „Wow! Das Bild ist wunderschön!“
❤️ „Erzähl mir von deinem Bild. Was gefällt dir selbst daran?“
⸻
❌ „Du bist so schlau.“
❤️ „Du hast richtig lange nachgedacht und eine Lösung gefunden.“
⸻
❌ „Du bist die Beste.“
❤️ „Du kannst richtig stolz auf dich sein.“
⸻
❌ „Ich bin stolz auf dich.“
❤️ „Wie fühlst du dich jetzt?“
⸻
❌ „Perfekt!“
❤️ „Du hast so lange geübt, bis es geklappt hat.“
⸻
❌ „Das war richtig.“
❤️ „Wie bist du auf diese Idee gekommen?“
⸻
❌ „Du bist mutig.“
❤️ „Obwohl du aufgeregt warst, hast du dich getraut.“
⸻
❌ „Toll aufgeräumt.“
❤️ „Jetzt ist wieder richtig viel Platz zum Spielen.“
⸻
❌ „Du bist so lieb.“
❤️ „Deine Umarmung hat mir gerade richtig gutgetan.“
Warum das so einen großen Unterschied macht
Wenn wir weniger bewerten und mehr beobachten, passiert etwas Wunderschönes.
Kinder beginnen dann , ihren Blick nach innen zu richten. Sie fragen sich nicht mehr
War Mama stolz auf mich?
Sondern…
Wie fühlt sich das für mich an?
Sie lernen, sich selbst wahrzunehmen.
Sie entwickeln ihre eigene Meinung.
Sie entdecken ihre eigenen Stärken.
Und genau dort beginnt echtes Selbstvertrauen.
Nicht durch ständiges Lob, sondern durch das Verhalten in sich selbst.
Bedeutet das jetzt, dass wir unsere Kinder nie wieder loben sollen?
Natürlich nicht, auch ich sage heute noch
„Super gemacht.“
„Ich freue mich so für dich.“
„Das hast du toll gemacht.“
Der Unterschied ist aber
Ich versuche, mein Lob bewusster einzusetzen und ich möchte das meine Kinder spüren, dass ich mich nicht nur über das Ergebnis freue,
ICH FREUE MICH ÜBER SIE
Ganz egal, ob etwas gelingt oder nicht.
Stell dir einmal Folgendes vor
Dein Kind ist irgendwann erwachsen, es erlebt einen Rückschlag, vielleicht bekommt es eine Absage, vielleicht schreibt es schlechte Prüfungen oder es scheitert an einem großen Traum.
WELCHE STIMME SOLL ES DANN IN SEINEM KOPF HÖREN
Soll sie sagen…
„Ich bin nicht gut genug.“
oder lieber…
„Es war schwer. Aber ich darf Fehler machen. Ich werde meinen Weg finden.“
Diese innere Stimme entsteht nicht an einem einzigen Tag, sie entsteht aus tausenden kleinen Momenten, aus Blicken, aus Umarmungen, aus unserer Geduld und aus Worten, die wir täglich wählen.
Unsere Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sie brauchen Erwachsene, die bereit sind, selbst zu wachsen und ich verspreche DIR.
Auch ich sage manchmal Dinge, die ich später bereue oder gerne anders formuliert hätte. Auch ich entschuldige mich, lerne jeden Tag neu dazu und genau das wünsche ich mir für meine Kinder. Keine Perfektion, sondern den Mut, immer wieder neu anzufangen.
Vielleicht beginnt das genau heute.
Mit einem Satz weniger Bewertung.
Und einem Satz mehr Verbindung. ❤️
Ich schreibe diese Zeilen nicht, weil ich alles richtig mache. Ich schreibe sie, weil ich selbst jeden Tag dazulerne. Und wenn ich dadurch einer Mama den Druck nehme oder einem Kind stärkendere Worte schenke, dann hat sich dieser Beitrag schon gelohnt.”

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